Die Kinder des Waisenhauses freuten sich über unser Kommen
Projektbesuch

Bericht über die Reise nach Myanmar (Birma) von Ernst Elsässer und Ulrich Weickgenannt

Liebe Freunde unseres Fördervereins,

es ist mir wichtig, Ihnen über unsere Reise nach Myanmar im Februar 2015 zu berichten. Die hauptsächlichen Ziele waren unsere Projekte, die Schule in Yenangyaung und das Waisenhaus in Pyin Oo Lwin.
Für mich war es eine Reise in die Vergangenheit. Vor 50 Jahren war ich beruflich 21 Monate in Pyin Oo Lwin, dem damaligen Maymyo, stationiert. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt, die jetzige Präsidentin unseres Fördervereins. Um es gleich vorweg zu nehmen, ich konnte mich nur noch an sehr wenig aus der damaligen Zeit erinnern. Es hat sich seither zu viel verändert.

Nun zu unseren Projekten. Zunächst waren wir in Yenangyaung wo wir von Eric Trutwein herzlich empfangen wurden. Ich hatte zwar schon viele Fotos gesehen und Berichte gehört, von dem was er dort mit der Hilfe unseres Vereins aufgebaut hat, aber die Wirklichkeit vor Ort hat meine Erwartungen deutlich übertroffen. Die Schule, in der inzwischen über hundert Kinder, die meisten davon unsere Patenkinder, in zehn Klassen unterrichtet werden, ist ein wirkliches Schmuckstück. Das Gebäude mit dem Klassenzimmer für die 11. Klasse ist noch im Bau.

Man merkt den Kindern wirklich an wie glücklich sie sind, dass sie hier die Chance haben etwas für ihre Zukunft zu tun, indem sie fleißig lernen. Wir hatten Gelegenheit alle Klassen zu besuchen und es war beeindruckend zu sehen wie diszipliniert und respektvoll die Kinder sich gegenüber ihren Lehrerinnen und Lehrern, aber auch untereinander verhalten.

Die Ausstattung der Schule mit Lehrmitteln und Geräten ist ebenfalls gut und wird laufend weiter ergänzt.

Der Transport der Kinder zur und von der Schule ist mit Schulbussen bestens organisiert.
Auch in die Stromversorgung wurde kräftig investiert. Es wurde ein großer, neuer Transformator angeschafft, der direkt an die Hochspannungsleitung angeschlossen ist und das ganze Gelände nun zuverlässig mit Energie versorgt.

Überrascht waren wir auch was sich im gastronomischen Bereich getan hat. Neben den bereits existierenden sieben „Guesthouses“ kam noch ein Restaurant dazu, in dem die Gäste ihr Abendessen einnehmen können. Es ist zwar nach allen Seiten offen, aber trotzdem sehr gemütlich.

Große Veränderungen gab es auch in der Küche. Wo bisher unter primitiven Voraussetzungen noch mit Holzkohle auf der Erde gekocht wurde ist jetzt eine Küche entstanden, die mit Gasherd, Tiefkühltruhe, Kühlschrank, Edelstahlspüle und Dunstabzugshaube ausgerüstet ist. Da macht dem Küchenpersonal das Kochen richtig Spaß und das merkt man auch an der Qualität der Speisen die den Gästen angeboten werden.
All diese Verbesserungen hat Eric Trutwein mit eigenen Mitteln finanziert und haben mit unserem Schulprojekt nichts zu tun. Die Erlöse aus dem Betrieb der „Guesthouses“ werden aber für den Betrieb der Schule verwendet.

Aber nicht nur im Bereich der Schule und der „Guesthouses“. sondern auch im persönlichen Umfeld der Kinder hat sich einiges getan. Allein im letzten Jahr wurden 16 Hütten von unseren Spendengeldern neu gebaut. Hinzu kamen zahlreiche Wasserbehälter die von teilweise sehr langen Leitungen, die Eric auf eigene Kosten verlegen ließ, gespeist werden. Das erspart vielen Familien, vor allem aber den Kindern, die schwere Arbeit des Wasser Schleppens über weite Strecken.

Eine der neu gebauten Hütten mit Wasserbehälter

Eine der neu gebauten Hütten mit Wasserbehälter

Eric zeigte uns anlässlich unserer Ausfahrten zu verschiedenen Patenkindern alles worin er sich engagiert hat. Was mich persönlich bei diesen Besuchen am meisten beeindruckt hat war wie die Menschen auf das Erscheinen von Eric reagiert haben. Überall gab es einen herzlichen Empfang und im Nu war er von Kindern umringt die ihren „BaBa“ (Großvater) heiß und innig lieben, genau wie auch er sie liebt. Auch die gesamte Nachbarschaft stellte sich ein, und es gab lebhafte Unterhaltungen, von denen wir allerdings recht wenig verstanden haben.

Alles in Allem haben wir von Yenangyaung einen sehr positiven Eindruck mitgenommen und wir wünschen uns, dass Eric noch sehr lange die Geschicke unseres Projekts leiten kann und wird.

Einen ganz anderen Eindruck hinterließ das zweite Haupt-Ziel unserer Reise, das EDEN-Waisenhaus in Pyin Oo Lwin, der Heimatstadt meiner Frau. Hier fanden wir hauptsächlich Armut und primitive Verhältnisse vor. Auch hier wurden wir von den Kindern und von ihrem Betreuer, Baptisten-Pastor Ye, sehr herzlich empfangen. Diese erste Begegnung hat mich persönlich sehr berührt und mich in der Auffassung bestärkt, dass hier unbedingt etwas getan werden muss.

Pyin Oo Lwin liegt in den Shan Staaten auf ca. 1200 m Höhe. Die Temperaturen im Sommer liegen bei maximal 30 °C, es kann aber im Winter auch ziemlich kalt werden. Bei Nacht sind dann Temperaturen um den Gefrierpunkt keine Seltenheit.

Die Kinder des Waisenhauses freuten sich über unser Kommen

Die Kinder des Waisenhauses freuten sich über unser Kommen

Wie wir bereits bei unserer letzten Mitgliederversammlung bekanntgegeben haben wollen wir, nachdem es in Yenangyaung sehr gut läuft und Eric Trutwein inzwischen auch noch über andere Geldquellen verfügt, dieses Waisenhaus entsprechend unseren Möglichkeiten unterstützen, um auch diesen Kindern eine Zukunftsperspektive zu geben. Der erste Schritt hierzu ist die Sicherung der Lebensmittelversorgung. Bereits seit Mai 2014 versorgen wir die 14 Kinder die augenblicklich dort leben mit dem Allernötigsten. Dies wird bisher ausschließlich über Spendengelder finanziert. Um die Versorgung aber nachhaltig sichern zu können benötigen wir regelmäßige, gesicherte Einnahmen. Wir wollen deshalb, wie wir es auch in Yenangyaung gemacht haben, für diese Kinder um Paten werben die monatlich einen festen Betrag für die Kinder einbringen. Der Pastor möchte im Lauf dieses Jahres noch weitere Kinder aufnehmen und somit werden es bis zum Jahresende ca. 20 Kinder sein. Selbst wenn es uns gelingt, für alle diese Kinder Patenschaften zu vermitteln wird die dadurch zu erzielende Summe nicht ausreichen, die Grundbedürfnisse des Waisenhauses nachhaltig abzudecken. Wir wollen deshalb auch Menschen finden, die zwar keine persönliche Beziehung zu einem Kind aufbauen möchten, die aber bereit sind, monatlich einen festen Betrag für das Waisenhaus zu spenden. Jeder Beitrag, und sei er noch so klein, ist für diesen Zweck willkommen.

Dies ist jedoch nur der Anfang. Was weiter dringend benötigt wird, sind menschenwürdige sanitäre Einrichtungen, wie aus den unten stehenden Fotos unschwer zu erkennen ist.

Hinzu kommt noch, dass die Baptist Church of Myanmar, der das Gelände auf dem das Waisenhaus steht gehört, den Trakt in dem die Jungs untergebracht sind, irgendwann abreißen will, da es für einen anderen, noch nicht näher bezeichneten Zweck, benötigt wird. Das bedeutet, dass ein Neubau erforderlich wird. Dazu wird aber ein Grundstück benötigt, das zwar direkt neben dem Waisenhaus vorhanden wäre, aber gekauft werden müsste. Dies kann aber unser Verein aus eigener Kraft nicht schultern. Die Grundstückspreise sind seit der Öffnung des Landes gewaltig gestiegen, sodass für das Stück Land (225 m2) ca. 30.000 € verlangt werden.

Auf diesem Gelände soll einmal das neue Waisenhaus entstehen

Auf diesem Gelände soll einmal das neue Waisenhaus entstehen

Wir könnten zwar die sanitären Anlagen finanzieren und diese, isoliert vom Ganzen, in einem Anbau unterbringen. Dies macht aber wenig Sinn, da wir für den Neubau einen Zuschuss vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) beantragen möchten. Ein Neubau ohne integrierte sanitäre Anlagen ist aber nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht genehmigungsfähig.

Sie sehen also, es gibt noch viele Probleme zu lösen, was unseren Optimismus aber nicht dämpfen soll.

Tettnang, im April 2015

Förderverein Kinderhilfe Birma e. V.
Gez. Ernst Elsässer – Kassier