Projektbesuch

Bericht von Margot Mezger

Mini-Praktikum im EDEN-Orphanage in Pyin Oo Lwin / Myanmar

Da ich unbedingt auf den Spuren meiner VHS-Lieblingslehrerin, Beda Elsässer, wandeln wollte kam ich auf die Idee, meinen Jahresurlaub im EDEN-Orphange in Pyin Oo Lwin zu verbringen.

Ernst Elsässer war so nett und unterstützte mich tatkräftig bei meinen Vorbereitungen.

So kam ich also am Samstag, den 27.2.2016 völlig übermüdet, aber wohlbehalten in Pyin Oo Lwin an. Renee Puthu, Bedas ehemalige Klassenkameradin, und Pastor Ye, der Leiter des Waisenhauses empfingen mich sehr herzlich. Sie zeigten mir kurz das Waisenhaus, stellten mir die 18 Kinder/Jugendlichen und natürlich Roi San, die „Seele des Hauses“ vor, bevor sie mich in mein Hotel brachten.

Am Montag war es dann soweit. Mein „erster Arbeitstag“. Da mein Orientierungssinn eher minimalistisch ausgeprägt ist, durfte ich den persönlichen „Hol- und Bring-Service“ von Roi San in Anspruch nehmen. Unsere gemeinsamen Moped-Fahrten werde ich so schnell nicht vergessen. Fröhlich singend bugsierte sie uns absolut souverän durch den Verkehr.

Im EDEN-Orphanage warteten bereits die Kinder/jugendlichen samt Pastor Ye und NuRa. NuRa, eine freundliche und sehr sympathische junge Frau stand mir in den nächsten Tagen als Übersetzerin zur Seite. Ich war ja schon etwas nervös. Da saßen nun ca. 25 Kinder/Jugendliche (es waren auch noch Kinder dabei, die nicht im Waisenhaus wohnen) in froher Erwartung auf ihren Englischunterricht, freundlich lächelnd vor mir. Sicherheitshalber erwähnte ich noch einmal, dass ich keine Lehrerin bin…….. (Was nicht weiter störte; vom ersten Moment an war ich ihr „teacher“).

beim Englischunterricht

beim Englischunterricht

Ja, und dann ging´s los. „Mein Name ist Margot Mezger, ich bin 56 Jahre alt (da ging ein kleines Raunen durch die Gruppe), bin Mutter von 2 erwachsenen Kindern und komme aus Deutschland. Ich arbeite als Sekretärin, mag Fußball und Kinder. Und möchte in den nächsten 3 Wochen mit Euch lernen und Spaß haben. Wenn ihr Fragen über mich oder z.B. Deutschland habt, dann dürft ihr diese gerne stellen.“ Nu Ra übersetzte alles ins Birmanische und die Kinder hatten, bis auf einen Mutigen, keine weiteren Fragen. „Ob ich zaubern könnte“, war seine Frage… Da musste ich ihn glatt enttäuschen. Keinen einzigen Zaubertrick konnte ich ihm vorführen.

Danach „durften“ sich dann die Kinder vorstellen. Die meisten kostete es sehr viel Überwindung, sich vor die Klasse zu stellen und sich auf Englisch! vorzustellen. Ganz leise und zögerlich kamen die Worte aus ihrem Mund. Wir haben an diesem Tag zur Auflockerung noch kleine Spiele und Wettspiele veranstaltet. Es war recht lustig und die Kinder entspannten sich dann auch recht schnell.

Da wir eine Altersspanne von 6 bis 17 Jahren hatten, wurden die Kinder in eine Vormittagsgruppe (Klasse 1 bis 5) und Nachmittagsgruppe (Klasse 6 bis 9) eingeteilt.

Mit den Kleineren wurde das ABC, Zahlen von 1-100, Farben, etc. geübt. Die Großen mussten Texte abschreiben, laut vorlesen, übersetzen und Vokabeln lernen.

Wir hatten wirklich viel Spaß. Vor allem, weil sie ihre Scheu recht bald überwinden konnten. Sie kugelten sich manchmal vor Lachen, wenn ich mich abmühte, ihre Namen richtig auszusprechen. (Eine kleine Kostprobe: Mine Pwint Tha Zin oder Htet Myat……).

Wir haben miteinander gelernt, gespielt (blinde Kuh, Reise nach Jerusalem), Bändchen geflochten, gepuzzelt, gemalt, Fußball gespielt, zusammen gegessen (ich wurde täglich mit Reis und wunderbarem Gemüse verwöhnt).

Spaß beim Bändchen flechten

Spaß beim Bändchen flechten

„Uncle Ernst“ hatte mir eine kleine Geldspende mitgegeben, die ich in Obstspenden umwandelte. Grüne Pflaumen, leuchtend rote Erdbeeren (Pyin Oo Lwin ist tatsächlich Erdbeeranbaugebiet) und knackige Äpfel. Fröhlich schmatzend kam jedes Kind einzeln zu mir, hat sich verbeugt und bedankt.

Unvergesslich bleiben auch unsere Ausflüge. Zusammen mit Ben (einem jungen Mann aus Amtzell, der aus dem heiteren Nichts in Pyin Oo Lwin auftauchte und ebenfalls einige Zeit im Waisenhaus mitarbeitete) lud ich die Kinder zur legendären Eisenbahnfahrt über die Goktheik-Brücke nach Hsipaw ein. Es ist unfassbar und unbeschreiblich, wie die alte Eisenbahn in den Schienen hüpft. Es ruckelt und zuckelt und hoppelt ohne Ende.

Eisenbahnfahrt über die Goktheik-Brücke

Eisenbahnfahrt über die Goktheik-Brücke

In Hsipaw wurden Ben und ich von den Kindern zum Essen eingeladen. Eine tolle Überraschung! Eine ganz andere Überraschung bot allerdings auch unsere Rückfahrt… Der Bus hatte erst einmal über eine Stunde Verspätung. Dann fuhren wir eine halbe Stunde, danach wurde eine halbstündige Pause eingelegt, dann fuhren wir wieder eine halbe Stunde…. und dann stellte der Fahrer den Motor ab, machte das Licht aus und… fuhr erst 3 Stunden später weiter. So kamen wir statt abends um 23.00 Uhr am nächsten Morgen um 4.00 Uhr wieder in Pyin Oo Lwin an. Unfassbar, wie klaglos die Kinder diese Situation ertragen haben.

Der zweite Ausflug führte uns zu den wunderschönen Anisakan-Wasserfällen nahe Pyin Oo Lwin. Ich dachte ja, wir wären die einzigen, die auf so eine tolle Idee kämen… Weit gefehlt. Gefühlt wollte halb Myanmar an diesem Tag die Wasserfälle genießen. Es minderte aber in keiner Hinsicht den Spaß am erfrischenden Nass.

Ausflug zu den wunderschönen Anisakan-Wasserfällen

Ausflug zu den wunderschönen Anisakan-Wasserfällen

Die Heimfahrt (im Tuc Tuc = Pastor Ye am Steuer, seine Frau und ich daneben. Hinten auf der Ladefläche: die restlichen 25 Teilnehmer des Ausfluges…) führte uns an einer wunderschönen Erdbeerfarm vorbei. Dort gibt´s auch einen kleinen Streichelzoo.

Heimfahrt mit dem Tuc Tuc

Heimfahrt mit dem Tuc Tuc

Die Kinder waren begeistert. Auch von ihrem süßen Joghurtgetränk, das angeboten wurde.

Die Kinder freuen sich über das süsse Joghurtgetränk

Die Kinder freuen sich über das süsse Joghurtgetränk

Pastor Ye brachte alle wieder sicher heim. Er fuhr wie auf rohen Eiern. Aber er habe auch eine wertvolle „Fracht“ – da hatte er nicht unrecht.

3 Wochen vergingen wie im Flug. Es war eine herrliche Zeit!

3 Wochen vergingen wie im Flug. Es war eine herrliche Zeit!

Auch ich bin zwischenzeitlich wieder daheim in Deutschland.

Meine 3 Wochen vergingen wie im Flug. Es war eine herrliche Zeit, die ich unter keinen Umständen missen möchte.

Ich kann nur jedem, der sich mit dem Gedanken über ein ehrenamtliches Arbeiten im EDEN-Orpahange beschäftigt, folgenden Rat geben: MACHEN! Auf jeden Fall!

Abschließend möchte ich mich noch einmal bedanken:

  • Bei Herrn Elsässer für seine tolle und völlig unkomplizierte Unterstützung
  • Bei Renee Puthu und ihrer Familie, die mir Bedas Heimatort zeigten und mir immer mit Rat und Tat zur Seite standen.
  • Bei Pastor Ye und Roi San. Sie leisten hervorragende Arbeit. Ich finde es absolut bewundernswert, für welch gute Wohlfühl-Atmosphäre sie im Waisenhaus sorgen.
  • Bei Nu Ra und Thar Hlaing Ma für ihre angenehme Art, mich mit ihren Übersetzungen zu unterstützen.
  • Und nicht zuletzt bei den 18 Kindern und Jugendlichen des Waisenhauses. Ihr seid toll! Ich habe es selten erlebt, dass eine so große Gruppe so harmonisch und fürsorglich miteinander umgeht. Besonders habe ich mich gefreut, „Da Nai Mu“, das Patenkind meiner Tochter einmal persönlich kennengelernt zu haben. Er ist ein fröhliches und nettes Kerlchen.

Eriskirch, 28.05.2016

Margot Mezger